Sogar jetzt bekomme ich noch Nachrichten, die lauten: "Gibt es noch Screenloop-Socken?"
Screenloop ist ein Londoner HR-Tech-Startup, das neu definiert, was ein ATS (Applicant Tracking System) leisten kann. Die All-in-one-Talent-Ops-Plattform hilft Teams, schnellere und klügere Personalentscheidungen zu treffen.

Im Jänner 2026 wurde Screenloop von Equitas übernommen. Equitas ist eine der führenden IaaS-Plattformen (Interview-as-a-Service), die mit einigen der größten Organisationen in Großbritannien und Irland arbeitet.Die Übernahme bringt zwei Unternehmen zusammen, die dieselbe Überzeugung teilen: Bessere Interviews führen zu besseren, faireren Personalentscheidungen.
Wast steckt hinter der erfolgreichen Startup-Marke?
Als wir 2021 das Branding-Briefing für Screenloop bekamen, war das ein halbes Google-Doc mit groben Stichworten, mehr nicht. Dass das Startup einmal von einer der größten Video-Interview-Plattformen übernommen würde, ahnte damals noch niemand.
Wir haben die visuelle Identität entwickelt, samt eines penibel definierten Illustrationssystems, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt: die interviewende und die interviewte Person. Vier Jahre und eine Übernahme später ist der Kern der Markenidentität des HR-Tech-Startups noch immer derselbe; das Team hat ihn über digitale Kanäle und Merch hinweg skaliert.
Wir haben mit GTM-Lead Akbar Karenga darüber gesprochen, warum Screenloop seine visuelle Identität bis heute beibehält.

Equitas hat bewusst nichts verändert, was bereits Wert hatte. Es gab bereits eine Liebe zur Startup-Marke, die sie nicht zerstören wollten. Screenloop brachte eine Kultur und klare Markterwartungen mit, dazu eine starke Markentreue: 5/5 Sterne auf G2 (bei 42 Reviews).
Das Design ist schön und klar; das Layout der Plattform ist intuitiv. Ich finde sofort, was ich brauche, ohne lange suchen zu müssen.
Akbar betont, wie wichtig gutes UI- und UX-Design für Startups heute ist:
Der Unterschied bei Tools und Services liegt heute im UI und UX. Ist es ansprechend?
In diesem Interview schauen wir uns an, was hinter der Entscheidung steckt, Screenloops Markenidentität zu erhalten, wie KI den HR-Markt verändert, wohin Screenloop und Equitas steuern und welche Tips Akbar Startup-Gründern gibt, die vor einer Übernahme stehen.
Hier das komplette Interview.
Transcript des Interviews mit Screenloops GTM-Lead Akbar Karenga
Ines Haitzinger: Wie lange bist du schon bei Equitas und wie hast du die Übernahme der Marke Screenloop persönlich erlebt?
Akbar Karenga: Equitas ist schon lange im Bereich Interview Intelligence tätig. Am Anfang haben wir das Unternehmen rund um Fairness und Gleichbehandlung im Recruiting aufgebaut. Unser CEO, Michael Blakley, hat lange Volume Recruiting für große Business-Process-Outsourcing-Dienstleister verantwortet; Audi war sogar einer seiner Kunden. Er hat also Erfahrung aus mehreren Hunderttausend Interviews, und immer wieder hat er gesehen, wie entscheidend die Admin-Arbeit rund um das Gespräch und danach wirklich ist.
Am Anfang stand die Frage: Gibt es ein Tool, das wir ins System einbauen können, um diesen manuellen Prozess zu erleichtern, damit Interviews fairer werden?
Mit unserem Wachstum haben wir einige der größten Recruiter in Großbritannien und Irland gewonnen. Zum Beispiel den Gesundheitsdienst in Nordirland, ein riesiger Anteil der Pflegekräfte dort wird über uns eingestellt, und dann große Projekte wie den britischen Strafvollzug, wo es um Mass Hiring geht, um Volume Hiring, im großen Maßstab und mit Fairness. Das war Equitas.
Screenloop kam über mich ins Spiel, als ehemaliger Screenloop-Kunde. Ich komme aus der Praxis, als Head of Talent und Head of HR, und ich habe das Produkt selbst genutzt. Michael und ich haben eine Beziehung aufgebaut. Wir haben uns gegenseitig um Rat gefragt, was gerade im Markt passiert, und angefangen, gemeinsam an Allianzen zu arbeiten. Er sah eine Chance, Screenloop zu übernehmen.
Was wir gesehen haben, war ein UX und UI, mit dem sich auf der Seite der Hiring Manager sehr leicht arbeiten lässt. Wir alle kennen Recruiting aus der Sicht von jemandem, der einen Job wollte. Aber für die meisten Menschen in so einem Gespräch ist Interviewen nicht der eigentliche Job, du bist nicht da, um HR zu machen. Manchmal ist der Frust: „Ich muss mich in System A einloggen, um Prozess B zu erledigen, und das ist nicht mal mein Hauptjob." Das führt dazu, dass Tools nicht genutzt werden, und zu Frust bei den Hiring-Verantwortlichen: „Dann mache ich das eben schnell per E-Mail." Im Kern ist ein System, das rund läuft und für Nicht-Power-User gut aussieht, schon für sich genommen ein Verkaufsargument.
Und wenn du dir überlegst, wo wir gerade stehen, mit KI-gestützter Arbeit, siehst du immer noch großartige Unternehmen, die bei Design und Produkt aufstocken, selbst während sie ihre Kern-Engineering-Teams hinterfragen. Der Unterschied bei Tools und Services liegt heute im UI und UX. Sieht es gut aus? Passt es zur Journey der Person, die die Technologie tatsächlich nutzt? Es war also ein guter Fit.
Der M&A-Prozess läuft, wie in weiten Teilen der Branche, vor allem darüber, wen du kennst. Es war von Gründer zu Gründer, Michael und Anton aus dem Leadership-Team, die sich gefragt haben: „Wie wird daraus ein Win-win?" Im Hintergrund gab es außerdem gemeinsame Kunden und gemeinsame Partner: Wie ist die Zusammenarbeit mit ihnen, wie lässt sich die Technologie dahinter integrieren? Es fühlte sich wirklich nach einem guten Fit an.
Das war eine sehr lange Antwort auf eine sehr einfache Frage, aber das ist der Kontext. Das haben wir in Screenloop gesehen, und da stehen wir heute: Wir betrachten Interview Intelligence und den Markt für Recruiting-Systeme größer und besser.
Ines Haitzinger: Bei den meisten Übernahmen folgt sofort ein Rebrand. Ich habe gelesen, dass ihr euch stattdessen entschieden habt, die Marke Screenloop zu erhalten. Was hat den Ausschlag gegeben, warum führt ihr Screenloop aktuell als eigenständige Marke?
Akbar Karenga: Wenn man ein Unternehmen übernimmt, existiert bereits eine Kultur, und im Markt existieren bereits Erwartungen. Es gibt Gründe, warum Menschen diese Marke mögen, und es gibt Kunden, die weiter dafür zahlen. Also haben wir beschlossen, genauer hinzuschauen: Was mögen sie am meisten daran?
Einer meiner Lieblingsdenker ist Scott Galloway. Er hat L2 gegründet, sie helfen Marken bei der Positionierung und machen eine Reihe über Startups und Scaleups. Er hat HBO Max analysiert: einer der schlimmsten Rebrands der Geschichte. Ich finde, es ist Vandalismus, etwas zu nehmen, das Menschen mögen und lieben, und es auseinanderzureißen, um es umzubenennen und zu verschieben. An HBO hing eine tiefe, echte Liebe. Deshalb waren wir vorsichtig, etwas zu kaufen und dann genau die Dinge herauszureißen, die es überhaupt erst wertvoll gemacht haben.
Werden es in Zukunft zwei getrennte Marken sein? Mal sehen. Aber unser erstes Bauchgefühl ist: Da ist bereits etwas, das Menschen mögen und lieben.
Ines Haitzinger: Klasse. Ein tolles Beispiel. Was sind aus eurer internen Sicht die Herausforderungen, zwei unterschiedliche Markenstimmen zu kommunizieren?
Akbar Karenga: Wir haben diese Übernahme vollzogen, weil es unterschiedliche Kundentypen gab. Bei Equitas geht es um große Arbeitgeber und Konzerne in eher traditionellen Hiring-Bereichen: Logistik, Business Process Outsourcing, Gesundheitswesen. Da sind wir sehr stark. Screenloop ist dagegen stärker produktgetrieben und bedient Startups, Scaleups und kleinere, internationalere Unternehmen. Wir wussten also, dass wir gut zueinander passen, uns aber nicht überschneiden.
Deshalb haben wir uns für getrennte Teams und getrennte Verantwortlichkeiten entschieden, aber mit einem Gegenüber auf jeder Seite, zum Beispiel im Engineering, damit wir voneinander lernen können. Ich verantworte alle Go-to-Market-Aktivitäten für Screenloop; Michael ist CEO von Screenloop und zugleich Gründer von Equitas. Wir treffen uns, damit jede Seite weiß, woran die andere arbeitet, und um smartere Dinge zu finden, die wir gemeinsam beim Co-Branding tun können, und erkennen dabei gleichzeitig an, dass wir auf sehr unterschiedliche Weise arbeiten.
Ein Beispiel: Einige unserer erfolgreichsten Marketing-Aktivierungen im letzten Jahr entstanden dadurch, dass wir als zwei getrennte Marken aufgetreten sind. Ich trage das eine T-Shirt, er das andere, und genau deshalb werden wir in unterschiedliche Gespräche eingeladen.
Ines Haitzinger: Bin ein sehr großer Fan davon. Du hast erwähnt, dass Michael und Anton über die Übernahme gesprochen haben und warum sie Sinn ergab. Erinnerst du dich an einen konkreten Wendepunkt, an dem Michael Screenloop übernehmen wollte? Was ist passiert, das ihn sagen ließ: „Statt freundschaftliche Rivalen zu sein, lass uns die Kräfte bündeln"?
Akbar Karenga: Es war die Erkenntnis, dass wir keine Rivalen waren. Da war etwas Neues in unserer Nähe, neben uns, aber nicht in uns. Keiner von uns würde also den Kundenstamm des anderen kannibalisieren.
Dann haben wir uns angeschaut, was Screenloop-Kunden sagten und liebten: sehr starke Markentreue. Screenloop ist zum Beispiel bekannt für fantastisches Merch und bekannt für großartigen Customer Success. Solche Dinge lassen sich extrem schwer von Grund auf aufbauen. Noch heute schreiben mir Leute E-Mails: „Habt ihr noch Screenloop-Socken?" oder „Sie war absolut großartig, sie hat X, Y und Z gemacht." Ich glaube, das war der Moment für Michael: zu erkennen, wie schwer das von Grund auf aufzubauen wäre, und dass es spannend ist, diese Liebe zu übernehmen.
Ines Haitzinger: Ich kenne die Enten, die Gewinnspiele, da ist eine riesige, engagierte Community. Genau das hat das Screenloop-Team aufgebaut, und ich stelle mir vor, das ist sehr wichtig. Du hast erwähnt, dass Loyalität heute besonders wichtig ist, gerade mit KI. Das bringt mich zur nächsten Frage: Wie hat KI aus deiner Sicht die Dinge verändert? Screenloop ist im Bereich Interview Intelligence aktiv und nutzt selbst KI. Welche Veränderungen hast du mit dem Aufkommen von KI gesehen, für Teams allgemein oder für die Branche insgesamt?
Akbar Karenga: Stell dir eine X- und eine Y-Achse vor. Auf der einen Achse: was gerade technisch machbar ist. Es gibt Dinge, bei denen wir uns sehr sicher sind, sogar mit klassischem Machine Learning: NLP, Computer Vision, Recommender-Systeme. Wir wissen, dass die funktionieren. Und dann gab es das langsame Herantasten an die Möglichkeiten generativer KI.
Die andere Achse ist Nord-Süd: was rechtlich zulässig und was rechtlich vorgeschrieben ist. Genau dort siehst du Unternehmen, die innovieren und Risiken eingehen, am oberen Ende dieses Verhältnisses. Die gemeinsame Linie von Equitas und Screenloop war: Lass uns mit KI Dinge tun, von denen wir wissen, dass sie dem Menschen jetzt helfen, und die eher theoretischen Versprechen beiseitelassen.
Ich habe früher viel in der DACH-Region rekrutiert, deshalb kenne ich die Recruiting-Regeln dort sehr genau. Nächstes Jahr tritt der EU AI Act in Kraft, und Recruiting wurde als Hochrisiko-Anwendungsfall eingestuft. Wir haben außerdem zwei riesige Sammelklagen in den USA gesehen, an denen zwei HR-Tech-Wettbewerber aus unserem Umfeld beteiligt waren. Wir haben immer den DSGVO-konformeren Weg gewählt. Wir wollen sicherstellen: Wenn wir einem Kunden etwas verkaufen, bringt es ihn nicht mit seiner Rechtsabteilung in Schwierigkeiten.
Die KI, die beide Unternehmen einsetzen, ist robust, getestet und wirksam. Ein klares Beispiel: Screenloop übertreibt nicht und versucht nicht, mit KI zu beschönigen, was in einem Gespräch passiert. Die KI merkt sich Dinge, sie weist auf Dinge hin, aber sie sagt nicht „diese Person ist fantastisch". Das entscheidet Tamara. KI übernimmt also den Teil, bei dem sie sich sicher ist, und hält sich zurück, wo sie sich gerade nicht übernehmen sollte.
Ines Haitzinger: Du hast gesagt, ihr habt Screenloop im Januar übernommen, es ist also rund ein halbes Jahr vergangen. Was ist dein wichtigster Rat für jedes Marketing- oder Go-to-Market-Team, das eine solche Übernahme meistern muss?
Akbar Karenga: Sei darauf vorbereitet, dass deine ursprünglichen Erwartungen dich überraschen. Als wir das Unternehmen übernommen und onboardet haben, hatten wir eine Erwartung, wie viel Geschäft wir bei den Verlängerungen halten würden. Wir waren völlig verblüfft, wie viele Kunden (weit über den Erwartungen) bei Screenloop bleiben wollten. Es gab sehr viel Liebe für die Marke. Manche Kunden hatten nachvollziehbare Gründe, es sich noch einmal zu überlegen. Preise ändern sich, Services ändern sich, aber wir haben trotzdem deutlich mehr Geschäft gehalten als erwartet.
Wie sind wir dahin gekommen? Zuerst über Change Management. Wir sind einen 60-Tage-Plan gefahren, bei dem wir, ganz offen gesagt, den Mund gehalten und zugehört haben. Wir wollten den Kunden zuhören: Was mögen sie? Was hassen sie? Kein „wir launchen jetzt dies" oder „hier ist eine neue Tag-Bar". Einfach runterschalten und zuhören, zuhören, zuhören.
Das hat uns zum zweiten Teil gebracht, und das ist mein anderer Rat: erst zweimal messen, dann einmal schneiden, wenn es um neues Produkt oder neue Markenpositionierung geht. Durch das Zuhören konnten wir schließen: „Vielleicht müssen wir gar nicht dramatisch in diese Richtung gehen, vielleicht reicht X oder Y." Wären wir mit großen Annahmen reingekommen, hätten ein neues Engineering-Team aufgebaut und Dinge auf eine bestimmte Weise gebaut, weil sie im vorherigen Unternehmen funktioniert haben, hätten wir Zeit und Geld verschwendet und vielleicht mehr Kunden vergrault.
Beim M&A-Prozess selbst hätten wir es beim Tooling und den Services besser machen können, die mit dir ins neue Unternehmen wandern. Die Übergabe ist immer chaotisch. Sorge mit deinem alten Team für ein bisschen Überlappung, bevor alle gehen oder in neue Rollen wechseln: Wer verantwortet das Billing, wer die Admin-Tools für ein System, von dem du nicht mal wusstest? Nimm dir dafür ein bisschen Zeit.
Mein dritter Rat: Wie wichtig oder dramatisch sich die Veränderung für dich auch anfühlt, große Teile der Branche und viele deiner Kunden interessiert das womöglich nicht. Sie sind mit ihrer eigenen Arbeit beschäftigt. Vielleicht haben sie deinen schönen Blogpost über die neue Positionierung gar nicht bemerkt. Eine Sache, die wir tun mussten, war, uns neu vorzustellen: „Übrigens, deine Verlängerung steht an. Wusstest du, dass wir übernommen wurden?" ... obwohl wir es ihnen zwei- oder dreimal gesagt hatten. Sei bereit, die Geschichte immer wieder zu erzählen, denn was für dein Unternehmen dramatische Neuigkeit ist, landet bei Menschen, deren Tagesgeschäft damit überhaupt nichts zu tun hat.
Interview geführt am 20. Juli 2026. Besonderer Dank an Akbar Karenga, dass er sich Zeit für uns genommen hat.
