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Warum sich dein Startup so schwer erklären lässt (und wie du deinen Message-Market-Fit misst)

Founder kennen ihr Produkt zu gut, um es einfach zu erklären. Erfahre, warum die Botschaft vieler Startups nicht ankommt, wie du sie in fünf Sekunden testest und wie du deinen Message-Market-Fit misst.

10 min read

Je länger du an einem Produkt arbeitest, desto schwerer lässt es sich erklären.

Du kennst jedes Feature, jeden Sonderfall und jeden Grund, warum dein Produkt besser ist als die Alternativen. Deine Käufer wissen davon nichts. Sie landen auf deiner Website, überfliegen den ersten Screen und entscheiden in Sekunden, ob du ihre Zeit wert bist. Laut Nielsen Norman Group entscheiden die ersten 10 Sekunden eines Seitenbesuchs darüber, ob jemand bleibt. In diesen 10 Sekunden musst du dein Wertversprechen vermitteln, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.¹

Die meisten Startups in der Frühphase haben kein Traffic-Problem und kein Produktproblem. Sie haben ein Übersetzungsproblem. Die Botschaft ergibt Sinn für das Team, das das Produkt gebaut hat. Aber nicht für den Markt, der es kaufen soll.

In diesem Guide erfährst du, warum das passiert, wie du es erkennst und wie du es mit unserem kostenlosen Message-Market Fit Score misst.

Warum ist es so schwer, das eigene Startup zu erklären?

Der Fluch des Wissens

1990 machte die Stanford-Doktorandin Elizabeth Newton ein einfaches Experiment. Eine Gruppe klopfte den Rhythmus bekannter Lieder wie „Happy Birthday“ auf einen Tisch. Eine zweite Gruppe sollte das Lied erraten. Die Klopfenden schätzten, dass die Zuhörenden etwa jedes zweite Lied erkennen würden. Tatsächlich lagen sie nur in 2,5 % der Fälle richtig.²

Die Klopfenden hörten die Melodie in ihrem Kopf. Die Zuhörenden hörten nur Klopfen.

Mit deiner Website ist es genauso. Wenn du „der KI-native Operating Layer für moderne Teams“ liest, hörst du das ganze Produkt: die Demo, die Roadmap, den Kundencall vom letzten Dienstag. Wer zum ersten Mal auf deiner Seite landet, hört nur Klopfen. Dass eine Headline für die zwölf Leute Sinn ergibt, die das Produkt gebaut haben, heißt noch lange nicht, dass sie auch für die zweihundert funktioniert, die es kaufen könnten. Oder für den Investor, den du für deine nächste Runde brauchst.

Dein Produkt hat sich verändert, deine Botschaft nicht

Startups in der Frühphase stehen selten still. Du erschließt ein neues Segment, nimmst einen zweiten Use Case dazu, baust die Features, die sich dein größter Kunde gewünscht hat, und packst KI auf die Roadmap. Jede Änderung ergibt für sich genommen Sinn. Zusammen machen sie deine Website aber zu einer Liste von allem, was du je gebaut hast.

Die Positionierungsexpertin April Dunford schreibt in Obviously Awesome, dass Positionierung nicht einmal zum Launch festgelegt wird. Du musst sie immer wieder prüfen, wenn sich Produkt und Markt verändern.³ Die meisten Startups lassen diesen Schritt aus. Das Ergebnis ist eine Seite, die alle ansprechen will und deshalb niemanden wirklich erreicht.

Das kostet auch Umsatz. In einer Gartner-Umfrage von 2025 gaben 69 % der B2B-Käufer an, Widersprüche zwischen der Website eines Anbieters und den Aussagen seines Vertriebs bemerkt zu haben.⁴ Wenn deine Sales Calls ein Unternehmen beschreiben und deine Website ein älteres, verlieren Käufer das Vertrauen in beides.

Heute übernimmt deine Website den Großteil des Verkaufs

Das wäre weniger wichtig, wenn Käufer dich noch in einem Call kennenlernen würden. Tun sie aber nicht.

  • B2B-Käufer verbringen nur 17 % ihrer Kaufzeit mit potenziellen Anbietern. Den Rest nutzen sie für eigene Recherche und den Austausch mit anderen aus ihrer Branche.⁵
  • 61 % der B2B-Käufer kaufen inzwischen am liebsten ganz ohne Kontakt zum Vertrieb.⁴
  • 94 % der Buying Groups haben schon vor dem ersten Kontakt einen Favoriten. Und dieser Favorit gewinnt 80 % der Deals.⁶

Die Shortlist steht also fest, bevor du mit irgendwem sprichst. Und sie entsteht vor allem durch das, was auf deiner Website steht. Wenn deine Botschaft erst ankommt, nachdem ein Founder sie in einem Call erklärt hat, schaffen es die meisten Käufer nie bis zu diesem Call.

Was ist Message-Market-Fit?

Product-Market-Fit heißt: Du hast etwas gebaut, das der Markt will. Message-Market-Fit heißt: Der Markt erkennt das auch.

Peep Laja, Gründer der Message-Testing-Plattform Wynter, beschreibt ihn als den Punkt, an dem deine Botschaft deine Zielgruppe davon überzeugt, dass dein Produkt die beste Wahl ist.⁷ Sein erster Test ist der einfachste: Versteht deine Zielgruppe, worum es geht, wenn sie deine Botschaft liest?

Du kannst einen starken Product-Market-Fit und einen schwachen Message-Market-Fit haben. Das ist typisch für Startups, die über Founder-led Sales wachsen. Die Kunden lieben das Produkt, aber erst, nachdem es ihnen jemand persönlich erklärt hat.

Einfach schlägt clever

Viele Founder glauben, ein anspruchsvolles Produkt brauche eine anspruchsvolle Sprache. Die Daten zeigen das Gegenteil. Laut dem Conversion Benchmark Report 2024 von Unbounce konvertieren Landingpage-Texte, die schon 10- bis 13-Jährige verstehen, fast doppelt so gut wie Texte auf professionellem Leseniveau. Der Report zeigt außerdem, dass komplexe Texte der Conversion heute 62 % mehr schaden als noch 2020.⁸

Einfach heißt nicht simpel. Es heißt, dass Käufer nichts übersetzen müssen.

Diese Hero-Headline sehen wir in irgendeiner Form auf fast jeder zweiten Startup-Website, die wir uns anschauen:

Vorher: Die KI-gestützte Plattform, die verändert, wie moderne Teams arbeiten.

„KI-gestützt“, „Plattform“, „verändert“ und „moderne Teams“ könnten zehntausend Startups beschreiben. Es gibt keinen Käufer, keine Kategorie und kein Ergebnis. Das klingt wie die Headline eines Kategorieführers. Nur fehlt die Markenbekanntheit, die solche Headlines funktionieren lässt.

Nachher: Software für den Monatsabschluss in Finanzteams. Bücher in 5 Tagen schließen, nicht in 12.

Sie nennt die Kategorie und den Käufer und liefert ein messbares Ergebnis. Die Zahlen sind Fakten, die nur das Unternehmen selbst kennt. Und genau danach fragt unser Message-Market Fit Score.

So testest du deine Botschaft in fünf Sekunden

Der 5-Sekunden-Test ist eine klassische Methode aus der UX-Forschung. Er misst den ersten Eindruck und zeigt, ob die Kernbotschaft einer Seite ankommt.⁹ Du brauchst kein Research-Budget, um ihn zu machen:

  1. Zeig fünf Personen außerhalb deines Unternehmens fünf Sekunden lang den ersten Screen deiner Website.
  2. Blende ihn wieder aus.
  3. Stell zwei Fragen: Was verkauft dieses Unternehmen? und Für wen ist das?

Wenn mindestens vier der fünf beide Fragen beantworten können, funktioniert dein Above-the-Fold-Bereich. Wenn die Antworten vage, falsch oder sehr unterschiedlich sind, liegt das Problem an deiner Botschaft, nicht an deinem Traffic. Mehr Werbebudget schickt dann nur mehr Leute auf eine Seite, die sie nicht verstehen.

Die meisten Founder lassen diesen Test aus, weil er unangenehm ist. Genau deshalb ist er so nützlich.

Die neun Bausteine für Message-Market-Fit

Der 5-Sekunden-Test zeigt dir, ob deine Botschaft funktioniert. Um herauszufinden, warum sie nicht funktioniert, musst du dir die Bausteine darunter anschauen. Wir ordnen sie vier Fragen zu.

1. Mit wem sprichst du?

  • Zielgruppen-Fit. Benenne einen konkreten Käufer: Rolle, Art des Unternehmens und Größe. „B2B-Unternehmen, die wachsen wollen“ ist kein Käufer. „Heads of Operations in Logistikunternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitenden“ schon.
  • Kundensprache. Nutze die Worte, mit denen Käufer ihr Problem in Sales Calls, Bewertungen und Support-Tickets beschreiben. Nicht die Begriffe, die dein Team intern verwendet. Käufer vertrauen einer Sprache, die nach ihrem eigenen Problem klingt.

Zwei Fragen schärfen beides: Was passiert in ihrer Welt, wenn sie anfangen zu suchen? Und was machen sie heute, statt bei dir zu kaufen? (Eine Tabelle, eine Agentur, eine interne Neueinstellung oder einfach gar nichts: Das alles sind echte Wettbewerber.)

2. Was versprichst du ihnen?

  • Klarheit. Nenn die einfache Kategorie, die ein Käufer selbst verwenden würde. Dann weiß er, in welche Schublade er dich stecken soll. Ein Fremder sollte in fünf Sekunden verstehen, was du verkaufst und an wen.
  • Ergebnisse. Erzähl zuerst, was sich für den Käufer ändert, und erst dann, wie das Produkt funktioniert. Käufer zahlen für die Veränderung, nicht für die Mechanik.
  • Haltung. Bezieh eine Position, der manche Käufer widersprechen würden. Ohne eigene Überzeugung vergleichen Käufer dich nur über Features und Preis.

3. Warum sollten sie dir glauben?

  • Reason to Believe. Erklär, warum dein Ansatz funktioniert: die Methode, die Daten, das Team oder die Designentscheidung hinter dem Ergebnis. Ein Versprechen ohne „weil“ bleibt eine bloße Behauptung.
  • Beweise und Vertrauen. Setz eine Zahl, einen Kundennamen oder eine Quelle direkt neben jede große Aussage. Ein Beweis, der drei Scrolls entfernt steht, bringt kaum etwas.
  • Einwände. Beantworte die Zweifel, die Deals ausbremsen (Preis, Wechselkosten, Risiko, interne Zustimmung), direkt auf der Seite. Und zwar bevor der Vertrieb es tun muss.

4. Was sollen sie als Nächstes tun?

  • Nächster Schritt. Gib jeder wichtigen Seite einen einzigen primären Call-to-Action. Formuliere ihn so, dass er sagt, was der Käufer bekommt: „Mein Website-Review anfordern“ schlägt „Mehr erfahren“. Schreib unter den Button eine Zeile, die erklärt, was danach passiert.

Miss deinen Message-Market-Fit

Wir haben den kostenlosen Message-Market Fit Score entwickelt, damit du alle neun Bausteine auf einmal prüfen kannst. Ohne dafür extra jemanden für Research zu beauftragen.

Er besteht aus zwei Teilen. Zuerst beschreibst du deinen Markt und deine Botschaft: wer bei dir kauft, was die Suche auslöst, wie Kunden das Problem beschreiben, was du versprichst und welche Beweise du hast. Dann bewertest du, wie deine Website heute auf Besucher wirkt.

Du bekommst:

  • Einen Score von maximal 45 Punkten, mit einer Einstufung von Kommt noch nicht an bis Starker Fit
  • Deine blinden Flecken: Bereiche, in denen du deine Website mit 4 oder 5 bewertet hast, deine eigenen Antworten aber eher auf 1 oder 2 hindeuten
  • Deine drei wichtigsten Prioritäten, mit konkreten nächsten Schritten auf Basis deiner Antworten
  • Eine schärfere Version deiner Botschaft, die deine Lücken schließt
  • Einen 30-Tage-Plan, mit dem du vom Score zur fertigen Seite kommst

Die blinden Flecken finden Founder am hilfreichsten. Sie sind der Fluch des Wissens in Zahlen: die Lücke zwischen dem, wie klar sich deine Botschaft für dich anfühlt, und dem, wie klar sie wirklich ist.

Zum Message-Market Fit Score →

Quellen

  1. Nielsen, J. (2011). How Long Do Users Stay on Web Pages? Nielsen Norman Group. https://www.nngroup.com/articles/how-long-do-users-stay-on-web-pages/
  2. Newton, E. L. (1990). Overconfidence in the Communication of Intent: Heard and Unheard Melodies. Dissertation, Stanford University. Zusammenfassung: https://concepts.dsebastien.net/concept/tappers-and-listeners/
  3. Dunford, A. (2019). Obviously Awesome: How to Nail Product Positioning So Customers Get It, Buy It, Love It. Ambient Press.
  4. Gartner (2025). Gartner Sales Survey Finds 61% of B2B Buyers Prefer a Rep-Free Buying Experience. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2025-06-25-gartner-sales-survey-finds-61-percent-of-b2b-buyers-prefer-a-rep-free-buying-experience
  5. Gartner. B2B Sales Reps: Maximize Customer Interactions. Smarter with Gartner. https://www.gartner.com/smarterwithgartner/b2b-sales-reps-maximize-customer-interactions
  6. 6sense (2025). 2025 B2B Buyer Experience Report. Über Business Wire. https://www.businesswire.com/news/home/20251112018032/en
  7. Laja, P. Achieving Message-Market Fit. Interview, EarlyNode. https://earlynode-wordpress.vercel.app/newsletters/achieving-message-market-fit-with-peep-laja-founder-wynter
  8. Unbounce (2024). Conversion Benchmark Report. Über MediaPost. https://www.mediapost.com/publications/article/399080/conversion-touchstone-marketers-are-urged-to-simp
  9. Userlytics. Five-Second Test. https://www.userlytics.com/resources/glossary/five-second-test/

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